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erstellt von: fox123, am 14.10.2010 17:06, Clicks: 1695

Jeans ? Tabu oder Trend?

Alles Denim oder was?

?Jeans sind die edelsten Hosen der Welt... Ich meine, Jeans sind eine Einstellung und keine Hosen.?
(U. Plenzdorf: ?Die neuen Leiden des jungen W.?)

Man kennt sie. Man trägt sie. Man hat sie im Schrank. Dennoch war (und ist) kaum ein männliches Kleidungsstück so umstritten wie die gute alte Jeanshose. Auch wenn selbst konservativere Unternehmen inzwischen teilweise auf etwas lockerere Dresscodes umsteigen, ist das Denim-Beinkleid oft noch ungern gesehen. Auch wenn Designer wie Joop oder Armani längst Jeans-Kollektionen anbieten, kann die robuste Hose doch ihre ursprüngliche Herkunft aus der Arbeiterklasse nicht verleugnen.

Die Geschichte der Legende begann im 19. Jahrhundert. Die Goldgräber und Arbeiter um San Francisco benötigten stabile Arbeitshosen, die nicht viel kosteten. Der Auswanderer Levy Strauss, dessen zu jener Zeit gegründetes Label nach wie vor einer der wichtigsten Hersteller sein dürfte, fertigte sie zunächst aus dunklem Segeltuch. Etwa gleichzeitig kam der Schneider David Jacobs auf die Idee, seine ähnlich geschnittenen Hosen an den Nähten mit Nieten zu verstärken.Leider fehlte ihm das Geld, diese Methode zum Patent anzumelden, und so wandte er sich an Strauss. Als Material wurde das Segeltuch bald von Denim, einem dichten Baumwollstoff, abgelöst und mit Indigo blau eingefärbt. Die praktische Arbeitshose verbreitete sich rasant vor allem unter Bahnarbeitern, Cowboys und Farmern.

Als Vorbild dienten die Tuchhosen von Matrosen aus Genua. Aus der französischen Aussprache der Stadt, ?Gênes?, bildete sich der Begriff Jeans heraus. Das Material Denim hat seinen Namen von der französischen Stadt Nîmes (?Serge de Nîmes? heißt soviel wie ?Stoff aus Nîmes?).

Praktisch, derb und robust: natürlich waren die neuen Hosen den Vertretern klassischer Anzugmode ein Dorn im Auge. Durch amerikanische Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland gekommen, wurden sie schnell zum Symbol von Rebellion und Unangepasstheit. Wie könnte man sich etwa James Dean in Nicolas Rays 1955 gedrehtem Meisterwerk ?Denn sie wissen nicht, was sie tun?, ohne blaue Denimhose vorstellen? Während die Jugend demonstrativ Jeans trug, lehtde das Establishment sie ebenso demonstrativ ab. In der DDR war die Nietenhose sogar zeitweise in öffentlichen Gebäuden und auf Tanzveranstaltungen verboten. Dennoch tat all diese Ablehnung der Beliebtheit keinen Abbruch.

Das einstige Enfant Terrible der Herrenhosen hat die Phase der Rebellion allerdings lange überwunden. Designer haben sie in ihre Kollektionen aufgenomen, und längst zieren sie auch Managerbeine ? in der Freizeit, wohlgemerkt. Denn dort führt an Denim längst kein Weg mehr vorbei. Die Schnitte sind eng und körperbetont. Die trichterartigen Schlaghosen der 60'er und 70'er Jahre gehören definitiv der Vergangenheit an, und wer sich als Erwachsener in die zwischenzeitlich in Teilen von Jugendkulturen populären Baggy Pants mit ihrem weiten, sackartigen Schnitt wickelt, wirkt ebenfalls etwas lächerlich. Gerne werden die Hosen auch etwas länger gekauft und umgekrempelt, was die Optik wieder ein wenig in Richtung der Arbeiterhose verschiebt.

Die klassische Jeansfarbe ist blau, gerne im angesagten Used-Look, stonewashed oder gecrasht. Jeans, die sich in schwarz oder braun als Stoffhose tarnen wollen, sind nichts halbes und nichts ganzes. Kombinieren sollten sie Denim nicht mit Krawatte, es sei denn, sie wählen eine schmale Krawatte in schwarz oder lila. Die Wirkung von Jeans mit Krawatte ist modisch, nicht konservativ.

Gegen ein edles Sakko spricht hingegen nichts. Wer den Mut dazu hat, darf sich gerne im gezielten Stilbruch versuchen: Gecrashte Jeans, blütenweißes Hemd mit Manschettenknöpfen. Dazu ein breiter, derber Gürtel und ein dunkles Sakko mit Einstecktuch. Das wirkt einerseits wie frisch vom Laufsteg, andererseits ist es die perfekte Mischung zwischen Formalität und Casual Streetwear.

Im Büro, selbst wenn der Dresscode eher lässig sein sollte, gilt es allerding, sich mit dem Tragen von Jeans zurückzuhalten. Zu tief eingeprägt ist noch der Hauch von Rebellion, der sich früher um dieses Stück Stoff rankte. Bleiben Sie lieber bei Chinos oder Khakis.

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