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erstellt von: krawatten, am 04.10.2010 15:17, Clicks: 1257

Solarkrawatte und Stromsandalen

Wearables auf dem Vormarsch

Seit Menschengedenken erfüllt Kleidung wichtige Aufgaben. Sie schützt vor Wind, Kälte und Regen. Sie verhüllt, was man anderen vielleicht nicht so gerne zeigt. Und sie kann auch subtile Signale über Verhalten und Einstellung ihres Trägers liefern.

Zudem hat uns die Mode glücklicherweise mit der Zeit eine wachsende Anzahl von Taschen beschert. Hatte das mittelalterliche Wams noch gar kein Behältnis, so man nicht eines am Gürtel trug, so bescherte uns der klassische Anzug immerhin schon sieben mehr oder weniger einsetzbare Taschen. Nur dass man in diesen aus optischen Gründen besser nicht allzu viel transportieren sollte. Auf sieben Taschen kommt eine moderne Jeans oder Cargohose auch schon ohne Jacke. Die Entwicklung gerade in der weniger formellen Freizeitmode geht also hin zur Praktikabilität.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die aufstrebende Modeindustrie hier noch einen Schritt weitergehen würde. Die Grundfragestellung ist simpel: Wir sind in der heutigen Zeit von Technik umgeben. Mobiltelefon, Organizer, MP3-Player und Laptop gehören für viele Menschen zum unvermeidbaren Alltag. Wie kann man nun diese Geräte möglichst unauffällig in Kleidung integrieren, ohne deren Aussehen all zu sehr zu stören?

Maßschneider kommen schon seit Jahren dem Wunsch ihrer Kunden nach einer unauffälligen Handytasche im Inneren des Jacketts entgegen. Und eine englische Firma entwarf gar die ultimative Musik-Krawatte. Auf der Rückseite des Binders befindet sich eine versteckte Tasche, deren Abmessungen exakt an den MP3-Player Ipod von Apple angepasst sind. Auch Jacketts der traditionsreichen Kaufhauskette Marks & Spencer haben inzwischen ein verstecktes, auf unauffälligen Zugriff optimiertes Ipod-Etui.

Bei so viel Technikbegeisterung überrascht kaum noch, dass letztlich auch die Technik selbst Begehrlichkeiten in der Modeindustrie weckte. In militärischen Kreisen testet man seit geraumer Zeit die ?intelligente Uniform?. Sie soll den Standort ihres Trägers anzeigen, sich der Umgebung anpassen und sogar im Fall einer Verwundung automatisch einen Sanitäter benachrichtigen können. Das klingt wie Science Fiction, technisch ist überraschend viel davon schon machbar.

Sehr viel alltagsnäher präsentieren sich Kleidungsstücke, die uns bei der Stromversorgung unserer Geräte behilflich sein wollen. Bereits auf der Cebit 2006 wurde erstmalig eine Jeansjacke vorgestellt, die durch einen Besatz und Schulterklappen aus vollfunktionalen Solarzellen bei Sonnenschein genug Strom produziert, um damit einen Laptop aufzuladen. Zu den Designermarken, die uns derartige Kleidung schmackhaft machen wollen, gehören inzwischen immerhin so große Namen wie Bogner oder Ermenegildo Zegna.Diverse Hersteller sprangen auf den Zug auf und produzierten nun sinnvollerweise Laptoptaschen mit Solarzellen.

Eine japanische Firma erweiterte den Reigen der stromerzeugenden Kleidung inzwischen um eine wassergepolsterte Sandale, die aus der Bewegungsenergie beim Laufen etwas über ein Watt an Energie produziert. An der Verbesserung wird gearbeitet, denn mindestens drei Watt benötigt man, um beispielsweise ein Mobiltelefon damit aufzuladen.

Klassischer, aber dennoch auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig ist die Solarkrawatte. Möglich geworden ist das Kunstwerk durch eine neue Technik der Iowa State University, die es erlaubt, Solarzellen direkt auf den Stoff aufzudrucken. Den Strombedarf eines Handys (für dieses gibt es auf der Rückseite eine kleine Tasche) produziert dieser Binder ohne Probleme. Leider ist er noch nicht so flexibel, dass man damit einen sinnvollen Windsorknoten binden könnte. Daher kommt diese Spielerei derzeit nur als Clipkrawatte.

Modernste Stromerzeugung gut und schön, aber möchten Sie wirklich wegen der paar Watt zusätzlicher Energie aussehen wie ein Kraftwerk? Denn eines hat diese ganze Elektronik-Kleidung gemeinsam: sie sieht noch nicht besonders gut aus. Bleiben Sie lieber bei einem klassischen Anzug, Hemd, Businesskrawatte und vielleicht einem edlen Einstecktuch. Dann wird Ihr Gegenüber Ihnen sicher auch verzeihen, wenn Ihrem Laptop unterwegs einmal kurzzeitig der Strom ausgeht.


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