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erstellt von: krawatten, am 03.12.2010 13:00, Clicks: 1378

Trainingsanzüge ? beim Sport gerne!

Vom zweifelhaften Aufstieg eines Kleidungsstücks

Es gibt Modetrends, auf die hätte man gut und gerne verzichten können. Und was noch viel schlimmer ist: jeder dieser Trends wird immer ein paar begeisterte Fans finden, die jener Mode noch Jahrzehnte später anhängen.

Die 80'er Jahre waren eine Zeit der modischen Grausamkeiten. Hautenge Leggins in Neonfarben waren ebenso populär wie der nur mäßig gepflegte Schnurrbart a la Tom Selleck. Nun gut, der konnte das in ?Magnum? noch durchziehen, (noch dazu im schreiend bunt geblümten Hawaihemd,) aber die meisten seiner Nachahmer sahen damit aus wie ein Walross. Dazu verbreitete sich, auf dem Fußballplatz geboren, die wohl geschmackloseste Frisur aller Zeiten: der VoKuHiLa (Vorne kurz, hinten lang). Nun gut, es passte in eine Zeit, in der die Ideale der Nation sich zwischen Aerobic und Electro-Wave bewegten. Von den schreiend bunten Krawatten jener Zeit schweigen wir lieber.

Nun, während alle diese Trends recht schnell das Zeitliche segneten, war einer davon bis heute nicht auszurotten: der gute alte Ballonseide-Trainingsanzug. Ein Blick auf die Straße zeigt, dass er sich offenbar immer noch einer gewissen Beliebtheit erfreut. Nun, er ist bequem, und er sieht so schön sportlich aus. Außerdem sind Turnschuhe ja schließlich auch gesellschaftsfähig geworden. Und wenn man eigentlich nicht vorhat, aus dem Haus zu gehen oder jemanden zu treffen,was spricht dann dagegen?

Nun, ganz einfach: er passt nicht. Wenn Sie ihn in den eigenen vier Wänden tragen wollen, lässt sich dagegen eigentlich nicht viel sagen. Leider wirkt er auch da schnell etwas lächerlich, wenn die größte sportliche Betätigung, der Sie sich aussetzen, der Gang zum Kühlschrank ist. Und dann gehen Sie vielleicht noch schnell damit einkaufen, weil es sich ja nicht lohnt, sich für die paar Minuten umzuziehen. Es sieht Sie ja schließlich niemand. Nun, sind Sie niemand?

Auch zu Hause ist ein guter, weicher Sweater im Zweifelsfall zumindest nicht weniger bequem. Niemand wird erwarten, dass Sie in Ihrer Freizeit mit Krawatte und Manschettenknöpfen auflaufen. Aber es fühlt sich einfach besser an, zu wissen, dass man nicht erst krampfhaft ein Hemd suchen muss, wenn der Nachbar an der Tür klingelt.

Manch einer hat inzwischen den Jogginganzug als Statussymbol entdeckt. Und wirklich: die klassischen Jogginghosen bekannter Hersteller, meist mit deutlichen Streifen oder überdimensionalem Markenlogo, sind vor allem abends in Kneipen und Diskotheken häufig zu sehen. Nur: besser sehen sie dadurch auch nicht aus. Die weichen, bequemen Hosen haben zweifelsfrei ihre Berechtigung, aber nicht unbedingt in der Öffentlichkeit. Auf dem Campingplatz gehen sie gerade noch in Ordnung. Greifen Sie zum Feiern lieber zu einem schlichten Hemd, einer Stoffhose oder Stone-Washed-Jeans, vielleicht sogar noch einer schmalen Krawatte (ausnahmsweise darf auch das Hemd darunter offen bleiben).

Und doch: hier soll nicht der Stab gebrochen werden über dem Trainingsanzug. Als Modesünde verschrien, hat er doch ein Einsatzgebiet, wo er unangefochten seine Berechtigung hat, ebenso wie weiße Tennissocken oder manchmal gar Frottee-Schweißbänder (Oh, noch so ein Relikt aus den 80'ern). Tragen sie das gute Stück bedenkenlos da, wo es hingehört: zum Sport.

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